Pionierinnen der Universität Bielefeld

08.07.2019

Professorinnen, Gremienvertreterinnen, Preisträgerinnen, Studentinnen: Frauen haben die Universität Bielefeld in den vergangenen 50 Jahren mitgestaltet und geprägt. Die Festschrift „Aufbruch und Begrenzung“ stellt 51 Pionierinnen vor – und zeigt daran beispielhaft das Schaffen und die Reputation von Frauen, die in verschiedenen Positionen an der Universität Bielefeld gearbeitet haben.

„Wir wollen die Frauen, die in den vergangenen 50 Jahren prägend für die Universität waren, sichtbar machen“, sagt Professor Dr. Martin Egelhaaf, Prorektor für wissenschaftlichen Nachwuchs, Forschung und Gleichstellung. Zum Jubiläum haben Jutta Grau und Lydia Plöger vom Gleichstellungsbüro Geschichten von Pionierinnen gesammelt – Frauen, die als Erste bestimmte Positionen bekleidet haben, aber auch prominente Absolventinnen. 51 Frauen schildern in der Festschrift „Aufbruch und Begrenzung – 50 Jahre Universität Bielefeld als sich öffnender Raum für Frauen“ ihre persönlichen Erfahrungen. „Dadurch zeigen wir exemplarisch die Leistungen, die Kreativität und das Engagement von Frauen an der Universität Bielefeld“, so Egelhaaf.

Zu den Pionierinnen zählt zum Beispiel Professorin Dr. Elisabeth Gülich, die 1976 als erste Frau an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft habilitiert wurde. Gülich kam schon 1969 an die Fakultät und damit zu einer Zeit, in der die Fakultät noch im Aufbau war. „Daran mitzuarbeiten und mitgestalten zu können, ist eine besondere Aufgabe, aber auch eine besondere Herausforderung“, sagt sie. Sogar die Habilitationsordnung, nach der Gülich dann später habilitiert wurde, musste erst einmal auf den Weg gebracht werden. Professorin zu sein, war in den 1970ern und 80ern noch vergleichsweise ungewöhnlich – in Briefen wurde sie zum Beispiel oft mit „Sehr geehrter Herr Professor“ angeredet. Gülich nahm es jedoch mit Humor: „Ich habe in der Regel eine standardisierte Antwort benutzt, die besagte, dass ein Kollege dieses Namens an unserer Fakultät leider nicht tätig sei, weshalb man das betreffende Schriftstück in dieser Notlage an mich übergeben habe.“

Die Festschrift stellt nicht nur Frauen vor, die die Universität Bielefeld wissenschaftlich mitgestaltet haben, sondern auch zum Beispiel Gremienvertreterinnen und Führungspersönlichkeiten. Dazu gehört Dr. Wiebke Esdar, die lange im Studierendenparlament sowie im Senat aktiv war und 2009 stellvertretende Vorsitzende des Senats wurde – als erste Frau und als erste Person aus der Gruppe der Studierenden. Esdars Mitgliedschaft im Senat fiel in die Phase der Debatte um die allgemeinen Studiengebühren. Daran erinnert sich Esdar noch gut: „Die Auseinandersetzungen an der Universität Bielefeld waren hart.“ Die Senatssitzungen gehören für die heutige Bundestagsabgeordnete immer noch zu den prägenden Erlebnissen ihres politischen Lebens.  „Mich in der akademischen Selbstverwaltung zu engagieren, war rückblickend eine hervorragende Schule für mein berufliches Leben.“

„Menschen mit Wissen und Mut“

Zudem kommen in der Festschrift ehemalige Studentinnen zu Wort – wie etwa Rena Tangens. Die Künstlerin und Netzpionierin war bereits in den 1980er Jahren in Vorläufersystemen des Internets aktiv, beschäftigte sich mit Softwaregestaltung und gründete den Verein „Digitalcourage“ sowie die „Haecksen“, ein Zusammenschluss weiblicher Mitglieder des Chaos Computer Clubs. Von 1990 bis 1996 studierte sie nebenberuflich Medienpädagogik an der Universität Bielefeld. In Erinnerung geblieben sind ihr vor allem die Menschen, die sie dort getroffen hat. „Menschen mit Ecken und Kanten, Wissen, Mut, Geist und Begeisterung“, sagt Tangens. Mit Digitalcourage setzt sie sich auch weiterhin für Bürgerrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter ein. Seit 2000 richtet sie die jährliche Verleihung der BigBrotherAwards aus, ein Negativpreis für vernachlässigten Datenschutz. 2018 erhielt sie gemeinsam mit ihrem Partner padeluun die Ehrennadel der Stadt Bielefeld.

Die Festschrift „Aufbruch und Begrenzung“ ist eines der Jubiläumsprojekte, die im Jubiläumsjahr der Universität Bielefeld gefördert werden. Große Events wie der Jubiläumsball oder das Uni.Stadt.Fest wechseln sich ab mit kleineren Veranstaltungen, die von engagierten Beschäftigten und Studierenden selbst organisiert werden.

Die Festschrift ist als PDF hier einsehbar. Gedruckte Exemplare können bei Jutta Grau oder Lydia Plöger angefordert werden.