Türöffner in die Welt der Geschichte und Soziologie

15.07.2019
von Hanna Metzen
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Von „A“ wie „Antike“ bis „Z“ wie „Zeuge“: Die „Bielefeld Graduate School in History and Sociology“ (BGHS) lässt sich ab sofort über 26 Buchstaben-Skulpturen erkunden, die auf der Wiese zwischen Hauptgebäude und Gebäude X aufgestellt sind. Jeder der etwa zwei Meter hohen, roten Buchstaben steht für ein Forschungsprojekt der Graduiertenschule. Das Outdoor-Skulturenprojekt „Das ABC der Geschichte und Soziologie“ wurde zum 50-jährigen Jubiläum der Universität Bielefeld realisiert.

„Die BGHS ist ein Zentrum der Nachwuchsforschung an der Universität Bielefeld. Mit der Ausstellung wollen wir Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geben, die Graduiertenschule, ihre thematische Vielfalt und ihre Gesichter kennenzulernen“, sagt Thomas Abel vom Referat für Kommunikation, der von 2014 bis 2018 an der BGHS als Koordinator für Wissenschaftskommunikation und –transfer tätig war und das Projekt konzipiert hat.

Das Skulpturenprojekt verknüpft Kunst und Wissenschaft miteinander: Die Holzbildhauerin Julia Lambertz hat für die Ausstellung 26 Buchstabenskulpturen aus ausrangierten Türblättern angefertigt. „Das ist nicht nur eine nachhaltige Form der Wissenschaftskommunikation, die aus Türen gefertigten Buchstaben werden so auch zu einer Art Türöffner in die Welt der Geschichte und Soziologie“, sagt Abel.

Infotafeln und QR-Codes

Besucherinnen und Besucher können an den Skulpturen entlang laufen, über Infotafeln und QR-Codes erhalten sie weitere Informationen zu den Forschenden und ihren Projekten. Zum Beispiel am Buchstaben „N“ wie „Not“: Dahinter verbirgt sich das Promotionsprojekt der Politikwissenschaftlerin Aanor Roland, die zu Steuerhinterziehung forscht. „Ohne Steuereinnahmen wäre die Not groß: Infrastrukturen wie etwa Straßen könnten nicht gebaut werden, Lehrer und Polizisten müssten entlassen werden, der Staat könnte einfach nicht mehr funktionieren. Seit der Finanzkrise ist das Thema Steuerhinterziehung vermehrt in den Fokus des öffentlichen Interesses geraten“, sagt Roland. In ihrem Projekt untersucht sie, mit welchen Mitteln die EU zunehmend gegen Steuerhinterziehung vorgeht und woher dieser Politik-Wandel kommt. „Ich freue mich, meine Arbeit über die Ausstellung einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen zu können“, so Roland.

Der Historiker Marcus Carrier untersucht an der BGHS die Methoden der forensischen Chemie und Toxikologie im 19. Jahrhundert. Sein Promotionsprojekt lässt sich beim Buchstaben „Z“ wie „Zeuge“ erkunden. „Ich beschäftige mich mit den Qualitätsansprüchen, die von deutschen und französischen Gerichten an toxikologische Methoden gestellt wurden. Welche Eigenschaften von Methoden waren den Juristen wichtig, welche den Chemikern und wie kamen sie zu einem Kompromiss? Übergeordnet geht es dabei auch um die Frage, wie moderne Gesellschaften mit wissenschaftlicher Expertise umgehen“, sagt Carrier. Wie Roland findet auch Carrier den Transfer seiner Forschung wichtig: „Ein Projekt an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft ist eine ganz besondere Möglichkeit, die Arbeit der BGHS zu präsentieren.“

Exzellente Promotionsausbildung

Ziel der Graduiertenschule ist es, exzellente Bedingungen für die Promotionsausbildung zu schaffen und so den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Seit 2007 wird die BGHS durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert.

Das Projekt „Das ABC der Geschichte“ ist eines der Jubiläumsprojekte, die im Jubiläumsjahr der Universität Bielefeld realisiert werden. Große Events wie der Jubiläumsball oder das Uni.Stadt.Fest wechseln sich ab mit kleineren Veranstaltungen, die von engagierten Beschäftigten und Studierenden selbst organisiert werden.

Mehr Informationen gibt es auf der Webseite der BGHS.