Wissenschaftler*innen der Universität nehmen Platz auf dem „Blauen Sofa“

07.08.2019

Publikation ist ein wichtiger Teil von Wissenschaft, Professorinnen und Professoren sind immer auch Autorinnen und Autoren. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Universität Bielefeld nehmen zwei ihrer Wissenschaftlerinnen und zwei ihrer Wissenschaftler Platz auf dem „Blauen Sofa“, dem gemeinsamen Autorenforum von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat. Auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig ist es zur festen Institution geworden; heute gilt es als eines der erfolgreichsten Literaturformate Deutschlands. Am Dienstag, den 3. September 2019 um 19 Uhr, steht das „Blaue Sofa“ erstmals in der Bielefelder WissensWerkStadt. Die Universität und das internationale Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen Bertelsmann laden gemeinsam ein. Moderiert wird die Veranstaltung von Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur) und Ariane Binder (3Sat, Kulturzeit). Der Einlass ist frei.

Über ihre Forschung und Bücher sprechen:

Professor Dr. Klaus-Michael Bogdal präsentiert sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung“, Berlin (Suhrkamp) 2011. (5. Aufl. 2013).

Professor Dr. Klaus-Michael Bogdal. Foto: Universität Bielefeld

Man bezeichnete sie als „geborene Diebe und Lügner“ oder „unzähmbare Wilde“. Gleichzeitig schwärmte man von der „schönen Zigeunerin“ und bewunderte insgeheim das „Naturvolk“ – der Blick auf die Sinti und Roma ist seit 600 Jahren geprägt von Faszination und Verachtung. Klaus-Michael Bogdals Werk untersucht die Darstellung der „Zigeuner“ in der europäischen Literatur und Kunst vom Spätmittelalter bis heute, von Norwegen bis Spanien, von England bis Russland. Auf der Grundlage von neuen Quellen, frühen Chroniken, Artefakten sowie Holocaust-Erinnerungen erzählt Bogdal eine epochen- und genreübergreifende Geschichte der Sinti und Roma.
Klaus-Michael Bogdal, geboren 1948, ist Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld. 2013 wurde er für sein Buch mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. 2019 erhielt er den Europäischen Kulturerbepreis / Europa Nostra Award der Europäischen Kommission für das RomArchive Berlin in der Kategorie Forschung, dessen wissenschaftlichem Beirat er als stellvertretender Vorsitzender angehörte.

Professorin Dr. Angelika Epple stellt ihre Forschung „Humboldt, der Rassismus und die Kunst des Vergleichens“ vor.

Professorin Dr. Angelika Epple. Foto: Universität Bielefeld/Ph. Ottendörfer

Alexander von Humboldt ist bekannt für seine detailgenauen Vergleiche, die er als Naturforscher auf seinen Reisen um die Welt durchführte. In seiner Schrift über Kuba zeigte er sich aber auch als vergleichender Soziologe: Entsetzt vom Umgang mit den aus Afrika verschleppten Sklaven, unterlegte er seine humanitäre Argumentation mit Vergleichen. In den Vorlesungen zur vergleichenden Anatomie seines Göttinger Lehrers Johann Friedrich Blumenbach hatte er gelernt, dass alle Menschen zur gleichen Spezies gehörten. Zugleich freundete er sich auf Kuba mit dem Ökonomen und überzeugten Sklavenhalter Francisco di Arango y Parreño an, der ihn auf seine Vorzeigeplantagen einlud. Über Jahrzehnte hinweg standen die Gelehrten im Briefkontakt. Humboldt übernahm Arangos Auffassung, dass die Sklaverei nur allmählich abgeschafft werden sollte. War Humboldt doch von rassistischen Vergleichen geprägt?
Angelika Epple, geboren 1966, ist Professorin für die Geschichte der Neuzeit an der Universität Bielefeld und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs „Praktiken des Vergleichens“. Sie untersucht unter anderem, wie Rassen und andere Stereotype erzeugt werden und welche Rolle dabei das Vergleichen spielt.

Professor Dr. Walter Erhart präsentiert sein Buch „Neil Young“ (Reclam) 2015.

Professor Dr. Walter Erhart. Foto: Universität Bielefeld/Ph. Ottendörfer

Neil Young zählt mit seiner hohen Stimme und seiner brachialen Gitarrentechnik neben Bob Dylan zu den wohl einflussreichsten Rock-Musikern aller Zeiten, sei es mit seinen sagenumwobenen Bands „Crazy Horse“ und „Stray Gators“ oder solo mit Gitarre und Mundharmonika. Von den Jungen wird der Kanadier verehrt wie kein Zweiter. Sein Leben spiegelt von Woodstock bis in die Gegenwart sowohl die musikalische als auch die gesellschaftliche Entwicklung Nordamerikas beispielhaft wider. Walter Erharts Buch zeichnet diese Linien ebenso kompetent wie begeistert nach.
Walter Erhart, geboren 1959, ist Professor für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld.

Professorin Dr. Elena Esposito spricht über ihre Forschung „Die Zukunft der Vorhersage“.

Professorin Dr. Elena Esposito. Foto: Universität Bielefeld/M.Adamski

Was passiert in unserer Gesellschaft, wenn Algorithmen einzelne Ereignisse oder einzelne Personen vorhersagbar machen und die Unsicherheiten der Zukunft mindern? Die Zukunft im Voraus zu kennen, ist nicht nur von Vorteil. Tatsächlich ist für unsere Gesellschaft die Unsicherheit über die Zukunft auch eine Ressource. Verschiedene wirtschaftliche, staatliche und soziale Bereiche beruhen auf der Tatsache, dass niemand die Zukunft im Voraus kennen kann: Wir können nicht wissen, wer Schaden erleiden wird, krank wird oder Verbrechen begehen wird. Deshalb zahlen wir Versicherungsprämien und präventive Polizeiarbeit. Was passiert mit den stabilisierten Managementformen der Zukunft, wenn die gemeinsame Unsicherheit fehlt?
Elena Esposito, geboren 1960, ist Professorin für Soziologie an der Universität Bielefeld und der Universität Bologna in Italien. Ihre aktuelle Forschung zur algorithmischen Vorhersage wird mit einem Advanced Grant des European Research Council unterstützt. Ihre Promotion schrieb sie 1990 bei Niklas Luhmann.