„Bedeutender Meilenstein unseres Engagements für Open Access“

01.10.2020

Die Universität Bielefeld fördert seit Mitte der 2000er-Jahre Open Access und entwickelt Services, die den freien Zugang zu wissenschaftlicher Information ermöglichen. Vor wenigen Tagen hat die Universität Bielefeld gemeinsam mit der Fachhochschule Bielefeld die Open-Access-Tage 2020 organisiert – die zentrale Konferenz zu Open Access im deutschsprachigen Raum. Für die Universität sei die Ausrichtung der Konferenz eine große Anerkennung ihres bisherigen Engagements in diesem Themenfeld, sagt Professor Dr. Reinhold Decker, Prorektor für Informationsinfrastruktur und Wirtschaft der Universität Bielefeld. Im Interview blickt er auf die Open-Access-Tage zurück – gemeinsam mit Dirk Pieper, stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek und einer der Organisatoren der Konferenz.

Herr Decker, große Konferenzen ziehen in der Uni-Halle häufig die Blicke auf sich – das war in diesem Fall anders …

Prof. Dr. Reinhold Decker ist als Prorektor zuständig für die Informationsinfrastruktur der Universität Bielefeld und setzt sich dafür ein, den Anteil an Open-Access-Publikationen zu steigern. Foto: Universität Bielefeld

Reinhold Decker: Ja, es ist schon ungewöhnlich – da betreuen unsere Mitarbeitenden eine herausragende Konferenz und vor Ort bleibt sie gewissermaßen unsichtbar. Deswegen kommt es in der Zeit der Pandemie besonders darauf an, dass wir aktiv darüber informieren, was alles an der Universität in Bewegung ist. Die Open-Access-Tage 2020 sind ein vorbildliches Beispiel dafür, wie eine große Präsenztagung so umgeplant werden kann, dass sie auch online gelingt. Ein großer Dank geht dafür an das gemeinsame lokale Organisationsteam der Universität und der Fachhochschule. Stellvertretend bedanke ich mich bei Dirk Pieper, Barbara Knorn und Jochen Schirrwagen. Die Impulse und Diskussionen dieser Konferenz werden bei vielen Teilnehmenden sicherlich noch lange nachwirken. Dass die Konferenz von Bielefeld aus professionell und reibungslos organisiert wurde, trägt zu dem ausgezeichneten Ruf unserer Universität in Sachen Open Access bei.

Herr Pieper, wie hat die kurzfristige Umstellung von Präsenz- auf Digitalkonferenz geklappt?

Dirk Pieper gehörte zum lokalen Organisationsteam der Open-Access-Tage. Er ist stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek und leitet den Nationalen Open-Access-Kontaktpunkt. Foto: Universität Bielefeld

Dirk Pieper: Unser Glück war, dass es für die Open-Access-Community normal ist, sich digital auszutauschen – digitale Werkzeuge sind ja typisch für Open Access. Trotzdem war es eine Premiere, die Konferenz online zu veranstalten. Und es war eine riesige Aufgabe. Wir hatten ein umfangreiches Programm mit insgesamt 90 Vorträgen. Mit der Teilnahmezahl sind wir sehr zufrieden. Zeitweise waren rund 350 Teilnehmende gleichzeitig online. Ein Vorteil war sicher, dass jetzt auch viele spontan teilnehmen konnten, die sonst keine Zeit gehabt hätten, zur Konferenz anzureisen. Wichtig war uns, dass die Teilnehmenden möglichst viel miteinander ins Gespräch kamen. Dafür haben wir in den Online-Workshops zum Beispiel Breakout-Sessions mit kleinen Gruppen eingerichtet. Wir haben die Teilnehmenden auch oft zu Themen befragt und abstimmen lassen. Ich bin immer noch begeistert, wie intensiv viele der Diskussionen gelaufen sind. Statt des sonst üblichen Konferenzdinners haben wir am zweiten Konferenztag unter dem Motto „Bring your own Bottle“ eingeladen, den Abend am Bildschirm in lockeren Gesprächen ausklingen zu lassen. Auch das hat wunderbar funktioniert.

Damit die Open-Access-Tage hier in Bielefeld organisiert werden konnten, musste sich die Universität um deren Ausrichtung bewerben. Warum passen die Open-Access-Tage und die Universität Bielefeld gut zusammen?

Reinhold Decker: Ein Grund ist, dass sich unsere Universität bereits früh dafür eingesetzt hat, Forschungsveröffentlichungen frei zugänglich zu machen. Das Rektorat hat 2005 als erste deutsche Universität eine Resolution zur Unterstützung von Open Access beschlossen. Ziel war und ist, dass unsere Wissenschaftler*innen ihre veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel zusätzlich auf unserem Publikationsserver ablegen und so kostenlos bereitstellen können. Auch deswegen sind heute auf pub.uni-bielefeld.de mehr als 12.000 Open-Access-Publikationen verfügbar. Damit Open Access technisch funktioniert, braucht es die passende Infrastruktur. Die Universitätsbibliothek hat vor Jahren damit begonnen, Services zu entwickeln, um den freien Zugang zu Dokumenten praktisch zu ermöglichen. Die Bielefeld Academic Search Engine, kurz BASE, hat heute 240 Millionen Datensätze und erlaubt damit eine ähnlich umfassende Suche wie mit Google Scholar. Über öffentlich geförderte Projekte engagiert sich die Universitätsbibliothek darin, Open Access dauerhaft zu verankern. Seit 2017 koordiniert die Universität Bielefeld beispielsweise den Nationalen Open-Access-Kontaktpunkt, der mit daran arbeitet, die bei den großen wissenschaftlichen Verlagen veröffentlichen Artikel frei zugänglich zu machen. Ein wichtiges Thema ist für uns auch Open Science, also der Ansatz, den Forschungsprozess transparent und zugänglich zu machen. Dazu gehören auch Forschungsdaten. Deswegen haben wir vor zwei Jahren das Kompetenzzentrum Forschungsdaten gegründet, das schon zahlreiche Wissenschaftler*innen beraten hat. Dass wir jetzt die Open-Access-Tage ausrichten durften, ist eine große Anerkennung. Es ist auch ein bedeutender Meilenstein unseres bisherigen Engagements für Open Access.

Wie geht es mit dem Thema Open Access an der Universität Bielefeld weiter?

Dirk Pieper: Wir haben zwar schon einen großen Anteil an Open-Access-Publikationen. Diesen wollen wir aber noch steigern. Auf der Konferenz ging es auch darum, wie Automatisierung dabei unterstützen kann. Momentan ist es in der Regel so, dass die Wissenschaftler*innen oder Mitarbeitende der Bibliothek eine Forschungsveröffentlichung bei uns auf dem Publikationsserver PUB hochladen, sobald sie mit Open-Access-Status eingestellt werden darf. Häufig passiert das aber nicht bei Publikationen, die erst nach Ablauf einer Sperrfrist frei zugänglich gemacht werden dürfen. Spezielle Software kann erkennen, wann ein Forschungsartikel für Open Access geeignet ist und kann ihn automatisch ins PUB übertragen. Das ist eine von mehreren vielversprechenden Möglichkeiten, damit die Anzahl der Open-Access-Publikationen wächst.