07.10.2001

„Keine 08/15 Haltestelle“ für die Universität

Ein Jahr nach Eröffnung der Stadtbahnlinie 4 wird die Haltestelle Universität eingeweiht. Mit den Worten „keine 08/15-Haltestelle“ eröffnet der ehemalige Dekanatsassistent der Fakultät für Soziologie, Landesbauminister Michael Vesper, die architektonisch aufwändige Haltestelle in Anwesenheit von Prominenz aus Universität, Stadt und Land. Fast drei Jahrzehnte später als ursprünglich vorgesehen finden die jahrelangen Planungen, Diskussionen und Konflikte einen krönenden Abschluss.

Offizielle Einweihung der Stadtbahnhaltestelle Universität und der Brücke am 27. Oktober 2001. In der Mitte Rektor Prof. Dr. Dieter Timmermann, NRW-Bauminister Michael Vesper, Oberbürgermeister Eberhard David.

Fotografin: Norma Langohr
Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FOS 00520

Bereits der siegreiche Bauentwurf für das Universitätshauptgebäude 1969 sah eine Stadtbahnhaltestelle auf der nördlichen Universitätsstraße vor, die bis Mitte der 1970er Jahre zu realisieren sei, doch schon wenig später kamen aus den naturwissenschaftlichen Fakultäten Bedenken wegen möglicher Störungen der wissenschaftlichen Messgeräte. Dies führte in Verbindung mit knappen finanziellen Ressourcen zu einer Aussetzung der Planung.

Das Thema Stadtbahn und Stadtbahnhaltestelle verschwand in der Folgezeit zunehmend in der Versenkung. Ein Besprechungsprotokoll vom September 1974 schreibt im Grunde genommen den Zustand fest, wie er bis zum endgültigen Bau der Uni-Linie bestand: Die Erschließung des Universitätsgeländes erfolgt zunächst ausschließlich über Straßen, die südliche Universitätsstraße wird durch eine Fußgängerbrücke zum Universitätsvorplatz überquert, der Bau einer Stadtbahnlinie wird für die Mitte der 90er Jahre in Aussicht gestellt.

  • Startschuss für den Baubeginn der Stadtbahnlinie 4 am 12. Juni 1995.

    Fotografin: Norma Langohr
    Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FOS 00544
  • Brückenelemente vor der Einsetzung. Bauarbeiten an der neuen Brücke zur neuen Stadtbahnhaltestelle Universität, April 2001.

    Fotografin: Norma Langohr
    Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FOS 00534
  • Brückenelemente werden eingesetzt. Bauarbeiten an der Brücke zur neuen Haltestelle der Stadtbahn, April 2001.

    Fotografin: Norma Langohr
    Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FOS 00521
  • Blick auf die Haltestelle Universität. Bauarbeiten an der neuen Haltestelle der Stadtbahn, April 2001.

    Fotografin: Norma Langohr
    Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FOS 00535
  • Die neue Haltestelle Universität der Stadtbahnlinie 4 hat ihren Betrieb aufgenommen, September 2001.

    Fotografin: Norma Langohr
    Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FOS 00550

Nach Jahren des Stillstands endlich Schwung in der Diskussion
In der Folge kamen Generationen von Studierenden mit dem Fahrrad, dem eigenen Auto oder mit überfüllten Bussen zur immer weiter wachsenden Universität. Zuletzt fuhren auch Schnellbusse direkt vom Hauptbahnhof und standen im fast schon obligatorischen Stau. Erst in den 1990er Jahren kam, wie 1974 prognostiziert, nach Eröffnung der Stadtbahn in Bielefeld und auf Initiative der Verkehrs-AG des AStA, wieder Leben in die Diskussion. Es folgte ein zähes Ringen, insbesondere um eine universitätsnahe und eine universitätsfernere Variante. Dabei sprach die größere Sicherheit der Nutzer aufgrund des kürzeren Weges für die nähere, die Störung der naturwissenschaftlichen Geräte und die Möglichkeit, das Gelände zwischen Haltestelle und Haupteingang planerisch zu nutzen für die fernere Variante.

Plakat des Bielefelder AStA zur Planung der Haltestelle Universität der Linie 4 der Stadtbahn, ohne Datum (1990er Jahre).

Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, PL3/227

Schließlich erzielte man eine Lösung, die sich übrigens mit der deckte, die die Universitätsarchitekten schon 1969 vorgesehen hatten. Die Erschließung über die nördliche Universitätsstraße mit einem noch als akzeptabel anzusehenden Weg zum Haupteingang der Universität hatte sich durchgesetzt. Heute ist die Linie 4 mit über 33.000 beförderten Personen pro Semesterwerktag der meistgenutzte Ast der Bielefelder Stadtbahn.

Klaus Köpke, ein Architekt aus der Berliner Architektengemeinschaft, zur (kurz) geplanten unterirdischen Stadtbahnhaltestelle Universität. Interview vom 09.05.2018.

Quelle: Universitätsarchiv Bielefeld, FS 230