06.05.1998

(Party-)Alarm bei der Westendparty

Die legendäre Westendparty: Seit Mitte der 1990er Jahre feiern Tausende junge Menschen zu heißen Beats in der Uni-Halle den Semesterstart – bei freiem Eintritt. Das ändert sich 1998. Erstmals wird ein Eintrittsgeld von 5 DM erhoben, zum Einsatz kommen außerdem 65 Sicherheitsleute. Das kommt bei Studierenden und Stadtöffentlichkeit gar nicht gut an: Hitzige Beschwerden sind die Folge.

Besucherandrang auf der Westendparty am 06.06.2001.

Fotografin: Norma Langohr
Quelle: Universität Bielefeld

Organisiert hatten die damals „größte Semester-Start-Party, die es in Bielefeld je gegeben hat“, wie die Neue Westfälische berichtete, Uni-Funk (heute Hertz 87.9) und der Mobilfunkanbieter Mobilcom. Drei DJs sorgten für gute Stimmung auf den Dancefloors, allerdings waren viele Gäste, darunter insbesondere Studierende, verärgert. Die „Kommerzialisierung studentischer Festkultur“ wurde besonders vom AStA auf einem Flugblatt vom 11. Mai angeprangert, ebenso wie das sehr harsche Eingreifen des Sicherheitspersonals. Studierenden, Mitarbeitenden und Besucherinnen und Besuchern wurde der Zugang zu Toiletten, Bibliothek, Schließfächern und Büros verwehrt, teilweise auch unter Einsatz von körperlicher Gewalt.

Die Antwort vonseiten des Uni-Funks folgte eine Woche nach der Party mit einer umfassenden Entschuldigung: „Der Erlös sollte und wird ausschließlich dem Projekt Campus-Radio, d.h. der Errichtung eines Hochschulradios mit eigener Frequenz und täglichem Liveprogramm, zugutekommen.“ Man räumte ein, dass es ein Fehler gewesen sei, die Ankündigungsplakate zur Party ohne das erstmalig erhobene Eintrittsgeld zu drucken und dass die Auswahl des Sicherheitspersonals nicht gewissenhaft genug erfolgt sei. Um dieses Negativbeispiel nicht zu wiederholen und weitere Parties dieser Größenordnung nicht zu gefährden, tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter von Uni-Funk, Universitätsverwaltung und AStA im Vorfeld der folgenden Westendparties einmalig aus

In der Folgezeit fand bis zum 10. April 2014 die Westendparty jeweils zu Semesterbeginn in der Universitätshalle statt und war mit bis zu 10.000 Gästen deutschlandweit eine der größten Feiern in geschlossenen Räumen. Nach einer vierjährigen Unterbrechung lebt die Marke Westendparty seit Februar 2018 wieder auf. Für die Zeit der Sanierung des Universitätshauptgebäudes findet sie ein neues Zuhause im Lokschuppen Bielefeld. Dabei wird der Transfer zur Universität durch Shuttle Busse gewährleistet und der Eintritt ist zwanzig Jahre nach der Aufregung um die Kommerzialisierung der Westendparty wieder frei.

Bericht von Campus TV zur Westendparty zum Start des Wintersemesters 2010/2011.

Quelle: Universität Bielefeld, Campus TV

Anfänge der Westendparty
Zurück geht die legendäre Party auf ein tragisches Unglück: 1982 verunglückt ein Mitglied der damaligen Hochschul-Fußballmannschaft bei einer privaten Ski-Freizeit. Um die Eltern des verstorbenen Mannschaftskollegen zu unterstützen, kamen seine Freunde auf eine Idee: Sie organisierten eine Party zu Ehren ihres Kollegen, deren Erlös komplett an seine Eltern gespendet wurde. Trotz chaotischer Planung wurde die Feier unter dem Namen „Super-Gala des guten Geschmacks“ mit 2.000 Besucherinnen und Besuchern ein riesiger Erfolg. Den Namen Westendparty verdankt sie dem Ort, an dem Mannschaftsmitglied Thomas Krieg am 23. Januar 1983 zum ersten Mal sein DJ-Pult aufbaute.