Wunschstern-Aktion schafft Begegnungen

08.11.2018

Einmal im Leben fliegen oder in einem Feuerwehrauto sitzen. Das sind Wünsche vieler Menschen, die in den Einrichtungen von Bethel leben. Die Wunschstern-Aktion macht sie wahr – und das seit elf Jahren.

Wahrgenommen werden von der Gesellschaft. Vor allem das bedeutet die Wunschstern-Aktion für die Menschen, die in Bethel betreut werden. „Sie bekommen die Möglichkeit, einen Wunsch von außerhalb des ‘Bethel-Systems’ erfüllt zu bekommen“, sagt Evelin Krüger, die die Aktion von Beginn an in Bethel koordiniert.

Sie erinnert sich an viele Wünsche, die am Weihnachtsbaum in der Bielefelder Uni-Halle hingen. Und die später von Studierenden, Mitarbeitenden oder Bürgerinnen und Bürgern aus der Region erfüllt wurden. Neben Päckchen-Wünschen, wie einer CD oder einer besonderen Salami, gibt es den Wunsch nach Aktivitäten. „Eine Frau möchte mit einer Begleitung auf den Weihnachtsmarkt gehen“ oder „Eine Werkstattgruppe wünscht sich adventliche Musik bei ihrer Weihnachtsfeier“ – diese Wünsche stehen dann auf den gelben Papiersternen.

Evelin Krüger (l.) ist seit der ersten Wunschstern-Aktion dabei. Dieses Jahr steigt Lena Friedrichs (r.) in die Organisation mit ein. Foto: Universität Bielefeld / Christina Joswig

Fester Bestandteil in der Weihnachtszeit

„Ich hätte nicht gedacht, dass aus dieser Idee etwas so Großartiges wird“, sagt Evelin Krüger heute. 2008 ist ein Mitarbeitender der Uni Bielefeld mit der Idee auf sie zugekommen. Man wolle Gutes tun. Ein grobes Konzept habe man schon im Kopf. Evelin Krüger war begeistert und begann alles zu organisieren.

„In den ersten Jahren musste ich viel Kommunikationsarbeit leisten: in die Einrichtungen gehen und Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen, mitzumachen“, erzählt sie. Inzwischen ist die Wunschstern-Aktion von Bethel und der Uni Bielefeld Tradition geworden. 80 Wünsche waren es im ersten Jahr – 950 im vergangenen. Fast alle konnten erfüllt werden.

Herzenswünsche erfüllt bekommen

Einige davon sind Evelin Krüger besonders im Gedächtnis geblieben. „Da war diese Gruppe junger Männer, die in einem Seniorenheim Gitarre gespielt hat. Plötzlich fing einer von ihnen an, auf Finnisch zu singen.“ Evelin Krüger ist immer noch gerührt, wenn sie davon erzählt. Wie so oft, wenn sie an die besonderen Geschichten der Wunschstern-Aktion zurückdenkt.

Eine alte Dame antwortete dem jungen Mann auf Finnisch und es ergab sich ein Gespräch. Es stellte sich heraus, dass sie aus Finnland stammt und seit Jahrzehnten mit niemandem mehr in ihrer Muttersprache sprechen konnte. Ein unausgesprochener Wunsch war ihr erfüllt worden.

Schon die Kleinsten wissen genau, was sie sich wünschen. Foto: Universität Bielefeld

Andere Wünsche bringen Evelin Krüger heute noch zum Lachen. „In manchen Jahren gibt es Trend-Wünsche. Einmal wollten ganz viele schwarze Handschuhe haben und ein anderes Mal Klappsägen.“ Später erfuhr sie, dass dieser Wunsch von Menschen kam, die in Bethel in der Gärtnerei arbeiten.

Viele Wünsche können erfüllt werden, weil jemand Kontakte spielen lässt. So durfte ein Bewohner in einem Hubschrauber der Bundeswehr mitfliegen. Andere durften in einem Feuerwehrauto sitzen. Ein Beruf, den sie selbst nicht ausüben können.

Weil es jährlich mehr Wünsche werden, haben die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitwirkenden immer mehr Arbeit. Jeder Wunsch muss genau dokumentiert werden. Name der Bewohnerin oder des Bewohners, Einrichtung, Kontaktperson und natürlich der Wunsch selbst müssen aufgeschrieben werden, bevor alles in den Druck gehen kann. Deswegen gibt es seit diesem Jahr eine Online-Datenbank. Über das Intranet können die Mitarbeitenden jetzt selbst die Wünsche der betreuten Menschen eingeben.

Evelin Krüger (l.) und Lena Friedrichs freuen (r.) sich schon sehr auf die diesjährige Wunschstern-Aktion. “Da werden Herzenswünsche wahr”, so Evelin Krüger. Foto: Christina Joswig

Neue Begleitung der Aktion ab 2019

Eine Neuerung, an der auch Lena Friedrichs mitgewirkt hat. Sie arbeitet im Freizeit- und Kulturzentrum „Neue Schmiede“. Ab dem kommenden Jahr wird sie die Wunschstern-Aktion begleiten. Dieses Mal haben sie und Evelin Krüger sich die Arbeit geteilt.

Die Aktion liegt Lena Friedrichs schon lange am Herzen. „Zu sehen, dass beide Seiten etwas davon haben. Auf der einen Seite kann man sich engagieren und ein Päckchen packen und auf der anderen Seite ist da jemand, der es auspackt und begeistert ist. Das ist immer wieder bewegend.“

Wunschstern-Aktion ab 21. November

Evelin Krüger wird die Wunschsternaktion zwar nicht mehr koordinieren, sie aber niemals aus den Augen verlieren. „Ich werde die Aktion immer verfolgen und bin gespannt, was daraus wird.“

Schon jetzt sind 950 Wünsche bei ihr eingegangen. Am 21. November wird der Weihnachtsbaum in der Uni-Halle aufgestellt. Und mit jedem Stern, der dann gepflückt wird, entstehen Verbindung zwischen Menschen, die sonst keine Berührungspunkte miteinander hätten.

Weitere Informationen:
Die Wunschstern-Aktion