Mathematik erlebbar machen

05.08.2019

Sich mit Mathematik beschäftigen und Spaß daran haben – für viele ein unvorstellbares Zusammenspiel. Doch das könnte sich in Bielefeld bald ändern. Ab heute sind die moBiel-Stadtbahnen mit Plakaten bestückt, auf denen Knobelaufgaben abgedruckt sind. Sie laden die Fahrgäste dazu ein, mitzurätseln und an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Dahinter steckt die Fakultät für Mathematik der Universität Bielefeld, die als Gründungsfakultät in diesem Jahr gemeinsam mit der Universität ihren 50. Geburtstag feiert. Und es handelt sich um mehr als nur ein Gewinnspiel.

Nicht nur Pippi Langstrumpf macht aus ihrer Rechenschwäche kein Geheimnis. Und Schreibwarengeschäfte verkaufen Grußkarten mit dem Aufdruck „Mathe ist ein Arschloch“. „Mir scheint, es ist gesellschaftlich akzeptiert und geradezu schick, mit Mathematik nichts anfangen zu können. Ganz anders ist das etwa bei Lesen und Schreiben“, sagt Dr. Guido Elsner, für den Mathematik vor allem eines ist: eine Leidenschaft. Er kam vor 26 Jahren an die Universität Bielefeld. Nach seinem Mathematikstudium promovierte er, heute ist er Akademischer Geschäftsführer an der Fakultät für Mathematik und in dieser Rolle für das Jubiläum verantwortlich. Unterstützt wird er dabei von Masterstudentin Marina Brüggershemke, die auch Mitglied der Mathematik-Fachschaft ist. Und von moBiel, dem Sponsor der Rätselaktion.

Die Fakultät für Mathematik blickt auf ein ereignisreiches und forschungsstarkes halbes Jahrhundert zurück. 1989 wurde der erste Sonderforschungsbereich bewilligt, seither verging kein Jahr ohne große Forschungsprojekte. Heute ist die Bielefelder Mathematik sogar weltweit sichtbar. Das habe sie auch ihren Gründungsvätern zu verdanken, die im Übrigen allesamt bis zu ihrem Ruhestand an der Universität Bielefeld geblieben seien, meint Elsner. „Wir können stolz darauf sein, international ganz oben mitzuspielen“, sagt er. „Das ist auch insofern besonders, weil Bielefeld mit seiner vergleichsweise jungen Universität kein traditioneller Forschungsstandort ist.“ Was die Mathematikfakultät sonst noch ausmacht? Der rege Austausch zwischen Fakultätsverwaltung, Lehre und Studierenden, findet Marina Brüggershemke und Elsner erinnert sich, dass das schon in den 1990er Jahren so gewesen ist, als er selbst studierte.

Prof. Dr. Karl Peter Grotemeyer und Prof. Dr. Andreas Dress zur Konzeption der Fakultät für Mathematik. Ausschnitt aus der WDR-Dokumentation „Das Hochschulporträt Bielefeld“, 1969. Mehr Informationen zur Historie finden sich in der Chronik. Quelle: WDR und cinetv (Universitätsarchiv Bielefeld, FS 31)

All das will die Fakultät für Mathematik in diesem Jahr feiern und aus der Universität hinaus in die Stadtöffentlichkeit tragen. Bürgerinnen und Bürger sollen die Chance bekommen, Mathematik auf spielerische Art zu erleben. Und zwar mithilfe vier verschiedener Knobelaufgaben, die unter dem Motto „bielefeld zählt weiter – knobeln & gewinnen“ zum Grübeln einladen. Die Idee ist nicht ganz neu. Bereits 2008 gab es im Rahmen des Jahres der Mathematik eine solche Rätselaktion. Elsner erinnert sich, dass sie schon vor elf Jahren gut ankam. „Nachdenken ist eine menschliche Triebfeder“, glaubt er. „Ob jung oder alt – wer freut sich nicht über große und kleine Aha-Erlebnisse?“ Lösungen, aber auch Ideen und Lösungsansätze können online oder postalisch eingereicht werden. Im Rahmen des Uni.Stadt.Festes am 15. September werden die Gewinnerinnen und Gewinner verkündet. Der Hauptgewinn: ein Reisegutschein in das renommierte Mathematikum in Gießen. Doch worum es abseits der Gewinne eigentlich geht, bringt Brüggershemke auf den Punkt: „Die Menschen sollen ihre Freude am Knobeln entdecken oder wiederentdecken. Wir wollen mit ihnen darüber ins Gespräch kommen und sie davon überzeugen, dass Mathematik lebendig und so viel mehr ist als subtrahieren und multiplizieren.“

Wer einen Blick auf die Knobelaufgaben wirft, darf feststellen: Die Fakultät für Mathematik der Universität Bielefeld könnte einen Teil dazu beitragen, das von Pippi Langstrumpf und Co. lädierte Image der Mathematik in ein neues Licht zu rücken.

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Für jeden Rätseltyp sei etwas dabei, finden Dr. Guido Elsner und Studentin Marina Brüggershemke. Foto: Universität Bielefeld /M. Müller