„Dokumentation in der Jugendhilfe muss effizienter werden“

06.08.2019

Ein Drittel ihrer Arbeitszeit verbringen Mitarbeitende der Jugendhilfe am Schreibtisch. Dort dokumentieren sie zum Beispiel, was im Leben der Jugendlichen, die sie betreuen, Relevantes passiert. Ein Prozess, der schneller gehen könnte und in den die Jugendlichen einbezogen werden sollten – finden Markus Felk und Jakob Hase. Die beiden Sozialarbeiter haben Anfang 2019 ihre Firma Momontum gegründet und eine webbasierte Software für soziale Einrichtungen entwickelt, die Dokumentationsprozesse digitalisiert und verbessern soll. Bei ihrer Gründung wurden sie vom InnovationslaborOWL unterstützt und haben währenddessen in der Universität Bielefeld gearbeitet. Drei Fragen an die Jungunternehmer.

Es gibt ja schon verschiedene Softwarelösungen für soziale Einrichtungen. Was ist das Besondere an Ihrer Version?

Jakob Hase: Unsere Idee ist aus der Praxis entstanden, also aus Sicht eines Sozialarbeiters. In unserer eigenen Arbeit haben wir festgestellt, dass die bisherigen Systeme eher unpraktisch sind. Für unsere Software haben wir deshalb eine ungewöhnliche Perspektive eingenommen: Wir haben aus Sicht der Jugendlichen gedacht, die in der Jugendhilfe betreut werden: Wie könnte ihnen eine Software helfen? Wir wollen einerseits, dass die Dokumentation sich stärker an den vereinbarten Zielen der Jugendlichen orientiert und anderseits weniger Bürokratie verursacht. Mithilfe von Textbausteinen können die Mitarbeitenden der Jugendhilfe zum Beispiel schneller dokumentieren. Es bleibt dann mehr Zeit, um die Jugendlichen zu unterstützen.  Wir wollen auch, dass Jugendliche in die Dokumentation eingebunden werden. Es entsteht häufig ein Machtverhältnis zwischen Mitarbeitenden und Jugendlichen, weil letztere oft mehr darüber wissen möchten, was über sie geschrieben wird.

Wie genau können sich die Jugendlichen denn einbringen in der Software?

Markus Felk: Wir können das am Beispiel ‚Rückführung in die Familie‘ erklären: Ist das das erklärte Ziel, dann wollen wir die Jugendlichen mithilfe der Software dazu motivieren, daran arbeiten zu können. Die Mitarbeitenden der Jugendhilfe schalten die Jugendlichen für einen mobilen Zugang frei. Die Jugendlichen legen sich dort ein Profil an,  verfassen Einträge und Ziele. Sie können sich mit der Software auch selbst organisieren: Termine einsehen, Putzdienste – zum Beispiel in der Wohngruppe – koordinieren und mit den Sozialarbeitenden in Kontakt treten. Uns ist dabei wichtig, dass diese Dokumentation besser auswertbar ist. Unsere Software verknüpft die Ziele des Jugendlichen mit den Tagesdokumentationen und kann Auswertungsgraphen erstellen. So kann langfristig die Wirkung der Arbeit in der Jugendhilfe gemessen werden.

Sie wurden vom InnovationslaborOWL unterstützt. Wie hat Ihnen das OWL-Verbundprojekt zur Unterstützung von Ausgründungen aus Universitäten und Hochschulen in der Region bei Ihrem Projekt geholfen?

Markus Felk: Wir hatten unsere Idee, die wir verwirklichen wollten, aber wenig Ahnung, wie man ein Unternehmen gründet. Wir haben ja kein BWL studiert. Während der Förderung durch das Innovationslabor OWL war es einfach schön, dass jemand von außen betrachtet, was wir machen und uns rückmelden konnte, ob wir das so gut machen. Das hat uns viel Sicherheit gegeben.

Jakob Hase: Über die Förderinitiative haben wir ein Büro an der Universität erhalten und eine kostenlose Beratung. Die haben wir natürlich auch oft in Anspruch genommen. Vor allem die Rechtsberatung war uns sehr wichtig. Das Netzwerk an Unternehmen, das im Innovationslabor OWL als Mentorinnen und Mentoren unterstützt, hat uns viel lehrreichen Austausch ermöglicht.

Jakob Hase (24) und Markus Felk (26) haben Soziale Arbeit an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bethel studiert und beide in der Jugendhilfe gearbeitet. Gefördert durch das Innovationslabor OWL haben die beiden Entwickler an der Universität Bielefeld an ihrer Dokumentationssoftware gearbeitet. Dafür arbeiten sie mit einem Team von Softwareentwickelnden. Diese befindet sich derzeit bei zwei sozialen Trägern am Ende der ersten Testphase und soll im September auf den freien Markt gehen.  Die zwei Jungunternehmer wurden bei der Gründung ihrer Firma Momontum  von der Bielefelder Sektion des InnovationslaborOWL unterstützt.