50 Jahre Fakultät für Soziologie: Gelebte Vielfalt

24.06.2019

Die Fakultät für Soziologie ist eine der größten sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Am 26. Juni feiert sie das 50-jährige Bestehen. Schon zur Gründung war sie einzigartig, erzählen die Dekanin Professorin Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka und der Dekanatsassistent Dr. Markus Göbel.

Frau Pfaff-Czarnecka – was war zur Gründungszeit besonders?
Joanna Pfaff-Czarnecka: Die Bildungsreform war in vollem Gange, die Öffentlichkeit setzte sich mit dem Nationalsozialismus auseinander und war gleichzeitig mit dem Zusammenwachsen zu einer Weltgesellschaft konfrontiert. Die Gründung unserer Fakultät fiel in eine höchst interessante Zeit. Und sie ist die bis dato erste und einzige autonome soziologische Fakultät in Deutschland. In der Anfangszeit war deshalb auch die Soziologie als Lehr- und Studienfach besonders wichtig. In der Forschung dagegen ging es bunt zu: Systemtheorie, Sozialpolitik, Entwicklungssoziologie, Politikwissenschaft, Geschichte der Soziologie und vieles mehr standen im Programm.

Was zeichnet die Fakultät heute aus?
Markus Göbel: Besonders prägend ist unsere Forschung zur Weltgesellschaft und Transnationalisierung, zur Ungleichheit und Geschlechtern, obgleich die Bielefelder Soziologie unter einem Dach eine ganze Anzahl von sozialwissenschaftlichen Disziplinen vereint. Dabei haben wir bis heute den Anspruch, alles Soziale in der Gesellschaft nicht nur theoretisch zu erfassen, sondern daraus auch Gesellschaftstheorien zu entwickeln. Wir bezeichnen das gerne als Luhmann’sche Hintergrundstrahlung – angelehnt an Niklas Luhmann, unseren ersten Professor und einen der wichtigsten deutschsprachigen Vertreter der soziologischen Systemtheorie.

Wohin wird sich die Soziologie in Bielefeld zukünftig entwickeln?
Joanna Pfaff-Czarnecka: Die Fakultät wird vielseitig bleiben: Fragen zur Evolution der Weltpolitik, Globalisierung, Migration und Ungleichheit werden unsere Forschung sicherlich prägen. Diese Forschungsfragen haben auch Potenzial für Verbünde, die über die Fakultätsgrenzen hinausreichen können – etwa mit der Geschichtswissenschaft, Psychologie, Rechtswissenschaft oder den Wirtschaftswissenschaften. So oder so bleibt es spannend. Denn wie schon zur Gründung befinden wir uns auch heute in gesellschaftlich interessanten Zeiten, die es zu ergründen gilt.

Joanna Pfaff-Czarnecka, Dekanin der Fakultät für Soziologie, und Markus Göbel, Dekanatsassistent. Foto: Universität Bielefeld

Weitere Informationen:
https://50jahre.uni-bielefeld.de/event/50-jahre-fakultaet-fuer-soziologie/

Dieser Artikel erschien erstmals im „BI.research“, dem Forschungsmagazin der Universität Bielefeld im Mai 2019.

Die Fakultät für Soziologie
Die Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld ist eine der größten sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland und in Europa. Hier studieren rund 3.000 Menschen, mehr als 30 Hochschullehrende und 40 akademische Mitarbeitende lehren und forschen in elf Arbeitsbereichen. In der Forschung prägen die Weltgesellschaftsforschung und die Ungleichheitsforschung die Fakultät. Zwei Professorinnen forschen hier mit ERC Grant, der bedeutenden EU-Forschungsförderung für Einzelwis-senschaftler. Der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann hat das Außenbild der Fakultät über viele Jahrzehnte mitgeprägt. Der Luhmann’sche Zettelkasten wurde gerade digitalisiert und ist öffentlich zugänglich.

Der Chronikbeitrag zur Gründung der Fakultät:
https://50jahre.uni-bielefeld.de/chronik/einzigartig-die-gruendung-der-fakultaet-fuer-soziologie/

Weitere Highlights aus dem Jubiläumsprogramm der Fakultät für Soziologie

Sammelband: „Hochschulexperimentierplatz Bielefeld“ – 50 Jahre Fakultät für Soziologie
Volker Kruse und Torsten Strulik haben den Sammelband herausgegeben (Transcript Verlag, 508 Seiten, ISBN: 978-3-8376-4411-1). Der Band führt in über 20 Beiträgen Innen- und Außenansichten unterschiedlicher Autorinnen und Autoren auf die Fakultät für Soziologie zusammen. Die Aufsätze stammen von derzeitigen und ehemaligen Mitgliedern der Fakultät sowie von Gastautorinnen und Autoren, die ihre persönlichen Beziehungen zur Bielefelder Fakultät thematisieren. Ein weiterer Bestandteil des Bandes sind 14 Essays von Studierenden, die sehr persönliche Erlebnisse mit ihrer Fakultät und der Universität Bielefeld be-schreiben.

Outdoor-Ausstellung: „Das ABC der Geschichte und Soziologie“ (Uni-Jubiläumsprojekt)
Die Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS), die Graduiertenschule der Fakultät für Soziologie, organisiert eine Outdoor-Ausstellung. Die Ausstellung umfasst 26 fast zwei Meter große Holzbuchstaben-Skulpturen von A bis Z. Jeder Buchstabe steht dabei für ein Forschungsprojekt aus der Soziologie oder der Geschichte, das derzeit an der BGHS von Promovierenden bearbeitet wird oder bereits erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Ausstellung ist von Anfang Juli bis Mitte Oktober 2019 auf der Uni-Wiese zu sehen und Teil des Programms zum Uni.Stadt.Fest am 15. September.

Öffentliche Veranstaltungsreihe: Die Vielfalt der Gesellschaft
http://www.uni-bielefeld.de/soz/fakultaet/50jahre.html